Vorbereitung auf den Wild Moon

Die Idee, einen ganzen Mond lang draußen zu leben, kam nicht plötzlich. Eine langjährige Wildniskollegin, Anja Kralik, begleitet den Wild Moon als Guide. Immer wieder hatte sie davon erzählt. Von einem Monat in Schweden, vom Leben draußen, von einer Gemeinschaft, die versucht, mit einfachen Mitteln in und mit der Natur zu leben. Mitten im Wald sein, die Elemente spüren. Länger erleben was sich draußen tut. Irgendwann war meine Neugier groß genug: Ich wollte nicht mehr nur davon hören. Ich wollte selbst erfahren, wie sich das anfühlt.

Denn so gerne ich in der Natur bin – für ein paar Stunden, einen Tag oder eine Woche draußen sein, ist etwas anderes, als tatsächlich im Wald zu leben. Mich reizte die Frage: Was passiert, wenn die Natur für einen ganzen Mond nicht der Ort ist, den ich besuche, sondern der Ort, an dem mein Alltag eingebettet stattfindet?

Dahinter steckte auch eine große Sehnsucht nach Auszeit. Nach weniger Müssen und weniger Ablenkung. Nach Entschleunigung, innerer Ruhe und einem Quiet Mind. Ich wollte meine Naturverbindung vertiefen, ganz im Hier und Jetzt ankommen und erleben, wie es ist, für längere Zeit ohne Handy zu sein. Und ich wollte diese besondere Erfahrung gemeinsam mit meiner Tochter machen – Zeit miteinander verbringen, fern von unserem üblichen Alltag und gleichzeitig mit genügend Raum für jede von uns, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

Natürlich hatte ich auch ziemlich konkrete Vorstellungen davon, wie sich all das anfühlen würde. Irgendwo in mir gab es wohl die Erwartung, dass ich nur lange genug draußen sein müsste und sich diese freudvolle Naturverbindung fast von selbst einstellen würde. Schweden, Wald, See, kein Handy – die innere Ausgeglichenheit konnte eigentlich nicht weit sein.

Ganz so simpel sollte es nicht werden.

Und dann gab es noch die sehr praktische Seite. Einen Mond draußen zu leben bedeutete, sich darauf vorzubereiten. Auf Regen, Kälte, Schlafen im Freien, körperliche Anstrengung und eine andere Ernährung. Besonders Gedanken machte ich mir um meinen Nacken und Rücken. Wie würde mein Körper reagieren, wenn mein gemütliches Bett oder meine aufblasbare Outdoormatte für einen Monat gegen einen Schlafplatz im Wald getauscht wurde?

Auch beim Essen begann Wild Moon für uns schon vor der Abreise. Auf Anregung des Wild-Moon-Teams stellten wir unsere Ernährung schrittweise auf das um, was uns später in Schweden erwarten würde: ketogen, fettreich und ohne Zucker, Milchprodukte und wenig Kohlenhydrate.

Ich begann bewusst einige Zeit vorher. Zuerst ließ ich Zucker weg, dann nach und nach die anderen Lebensmittel, die während Wild Moon nicht Teil unserer Ernährung sein würden. Die Idee dahinter war einfach: Nicht erst mitten im schwedischen Wald sollte mein Körper feststellen, dass er plötzlich etwas anderes bekommt.

Im Nachhinein gefällt mir der Gedanke, dass unser Wild Moon damit eigentlich schon vor der Abreise begonnen hatte. Stück für Stück verschwanden bereits zu Hause einige Selbstverständlichkeiten aus meinem Alltag – zuerst vom Teller, später aus dem Rucksack und schließlich für einen Mond auch das Handy.

Und dann war da die Ausrüstung. Die Packliste war bewusst reduziert. Mit sollte nur, was wir wirklich brauchten. Gleichzeitig gab es die Anregung möglichst Kleidung aus Naturmaterialien zu tragen. Das erwies sich überraschend schwierig: Qualitativ gute Outdoor-Kleidung ohne Kunststoffanteil zu finden, ist entweder schwierig oder teuer. Vieles kaufte ich gebraucht, anderes ließen wir anpassen oder (vom grünen Raben) nähen.

Je näher die Abreise rückte, desto deutlicher wurde mir, dass schon die Vorbereitung eine interessante Frage aufwarf:

Was brauche ich wirklich, um mich draußen wohl und sicher zu fühlen?

Mit gut geplanter Ausrüstung, so manch sorgenvollen Gedanken und freudvoller Erwartung im Gepäck machte ich mich schließlich mit meiner Tochter auf den Weg nach Schweden.

Noch wusste ich nicht, dass ein sanfter und leichter Einstieg in die natürliche  Welt bedeuten kann, dass nicht alles mitmuss, was mitkönnte.