Der Wild Moon stellt die Frage: Was verändert sich, wenn wir der Natur nicht nur begegnen, sondern eine Zeit lang wirklich in und mit ihr leben?

Für einen ganzen Mondzyklus – 28 Tage – lebten wir im Juli 2026 als Gemeinschaft mit möglichst einfachen Mitteln draußen in der schwedischen Natur. Nicht als klassisches Outdoorcamp und auch nicht als Survivaltraining. Es ging vielmehr darum, lange genug zu bleiben, um sich einen Alltag in und mit der Natur einzurichten – und zu erfahren, was passiert, wenn das Draußensein allmählich selbstverständlich wird.

Wir lebten am See und im Wald, schliefen unter Tarps, bewegten uns vor allem mit Kanus fort und wechselten während des Mondes dreimal unseren Lagerplatz. Uhren und Handys blieben zurück, ebenso möglichst viele unserer gewohnten Zeitbegriffe. Unsere Lebensmittel bekamen wir über sogenannte Food Drops, die wir anhand einfacher Hinweise und in die Erde gezeichneter Karten selbst finden mussten. Dazu kamen selbst gefangener Fisch sowie Beeren und essbare Pflanzen aus unserer Umgebung.

Dabei konnten und mussten wir unsere Wildnisskills ganz selbstverständlich in unseren Alltag integrieren. Holz sammeln, Feuer machen, kochen, Nahrung holen, sich waschen, das Lager gestalten, Entscheidungen treffen und unser Zusammenleben organisieren – vieles von dem, was zu Hause einfach verfügbar ist, musste draußen selbst gemacht und organisiert werden.

Den Wild Moon zu machen bedeutete damit nicht nur, draußen zu sein, sondern lange genug draußen zu bleiben, damit die Natur vom Ausflugsziel zum Lebensraum und das Draußensein zum Alltag werden konnte.

Es verändert sich gerade dadurch auch die Naturverbindung. Die Natur ist dann nicht mehr nur etwas Schönes, Besonderes oder vielleicht sogar Idealisiertes, das wir bei einem Ausflug erleben. Sie wird Teil des ganz normalen Alltags. Der See ist nicht nur schön anzusehen, sondern gibt uns Trinkwasser. Der Wald ist nicht nur ein Ort zum Spazierengehen, sondern gibt uns Holz, Nahrung, einen Schlafplatz und Schutz. Doch es geht dabei um mehr als diese materielle Seite. Mit der Zeit verändert sich auch der Blick auf das, was uns umgibt. Der See, der Wald, die Bäume, die Pflanzen und Tiere sind nicht einfach Dinge oder eine Kulisse für unser Leben. Sie sind selbst lebendig. Und damit ist Naturverbindung für mich zu einer Begegnung mit einem lebendigen Gegenüber.

Daraus entsteht eine andere Form der Wertschätzung. Nicht nur Dankbarkeit für das, was die Natur uns ganz unmittelbar gibt, sondern das Bewusstsein, dass wir von Leben umgeben und selbst Teil davon sind. Dass wir nicht einfach in einer Landschaft leben, sondern unser Leben mit all diesem Leben teilen.

Es  fühlt sich das tatsächlich wie ein Beschenkt werden an – durch einen See, der uns trägt, einen Baum, unter dem wir sitzen, Beeren, die wir finden, oder durch eine unerwartete Begegnung mit einem Tier.

Naturverbindung bedeutet für mich genau das: Natur nicht nur als Umgebung wahrzunehmen, sondern ihr als lebendigem Gegenüber zu begegnen – und dabei selbst wieder ein Stück mehr Teil dieses Lebensnetzwerkes zu werden.