Die vertraute Welt bleibt am Ufer zurück – überschreiten der Schwelle.
Ein kleiner Schotterparkplatz irgendwo an einem schwedischen See. Hier endete unsere Fahrt – und hier begann unser Wild Moon.
Mit unserem Gepäck gingen wir ein Stück in den Wald. Bevor es wirklich losgehen konnte, wurde noch einmal alles ausgepackt und gemeinsam mit den Guides überprüft. Hatten wir alles dabei, was wir für einen Mond draußen brauchen würden? Und fast noch wichtiger: Hatten wir Dinge eingepackt, die wir gar nicht brauchten?

Startpunkt
Trotz aller Vorbereitung wurde noch einmal aussortiert. Das eine oder andere blieb zurück. Dinge, von denen ich zu Hause offenbar noch gedacht hatte, dass ich sie brauchen würde. Wir haben später nichts davon vermisst. Kaum war die Ausrüstung reduziert, wartete bereits die erste Aufgabe auf uns: unser Essen finden.
Denn unsere Lebensmittel würden während des Wild Moon nicht einfach in einem Vorratszelt auf uns warten. Alle paar „Suns“ gab es einen Food Drop, den wir anhand von Hinweisen und in die Erde gemalten Landkarten suchen mussten. Und der erste wartete gleich nach unserer Ankunft auf uns.
Also machten wir uns auf die Suche, fanden schließlich unsere Lebensmittel, verstauten alles in den Kanus – und paddelten los. Unser Ziel war zunächst noch nicht der Platz, an dem wir unser erstes Lager aufschlagen würden, sondern eine kleine Insel. Dort sollte der Übergang zelebriert werden.
Wir kamen als Menschen an, die gerade noch mit Bus, Gepäck und Packlisten unterwegs gewesen waren. Menschen mit Terminen, Uhren, Handys und einem ziemlich genauen Wissen darüber, welcher Tag gerade war.

Ausrüstungscheck
Für einen Mond wollten wir versuchen, diese vertraute Ordnung hinter uns zu lassen.
Keine Uhr. Kein Handy. Möglichst keine gewohnten Bezeichnungen für Wochentage oder Zeiträume. Selbst ein „Tag“ wurde bei uns zur „Sun“. Drei Guides würden diesen Mond mit uns leben. Sie hielten den Rahmen, unterstützten uns mit ihrem Wildniswissen und sollten gleichzeitig der Gruppe mehr Raum geben. Denn es ging nicht darum, vier Wochen lang an einem geführten Outdoorprogramm teilzunehmen. Wir wollten als Gemeinschaft in Verbindung mit der Natur mit einfachen Mitteln draußen leben und unseren Alltag gemeinsam selbst gestalten.
Auf der kleinen Insel hielten wir inne. Noch einmal sprachen wir unsere persönliche Intention für diesen Mond aus: Warum war jede und jeder von uns hier? Was suchten wir? Was wollten wir erfahren?
Dann ließen wir auch unsere Namen zurück., denn jede und jeder gab sich für die Zeit des Wild Moon einen neuen Namen. Ein symbolischer Schritt – und ein Schwellenübertritt. Vor uns lagen See, Wald, drei unbekannte Lagerplätze und ein ganzer Mond voll mit neuen Eindrücken.
Dann stiegen wir wieder in die Kanus und paddelten weiter.
